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Dienstag, 28. Juli 2020, 17:57

Versand wurzelnackter Pflanzen

Servus zusammen,

wie schon im Titel angegeben, versenden diverse Anbieter ihre Pflanzen wurzelnackt, sprich ohne Topf und Substrat.
Leider kommt es immer wieder vor, dass Pflanzen durch den Versandstress ihre Blätter abwerfen. Dies ist soweit nicht schlimm, da nachvollziehbar und, je nach Art, auch normal.
Aber: trotz großer Fürsorge meinerseits verabschieden sich einige, insbesondere größere und somit nicht ganz so billige Pflanzen binnen weniger Tage oder Wochen. Beispiele hierfür sind u.a. Euphorbia bupleurifolia (3 Ex., Ø 5 cm), Fouquieria columnaris (Höhe ~ 40 cm), und Pachypodium brevicaule.
Woran das liegt, kann ich nicht sagen, da alle gelieferten Pflanzen sofort in den Topf gebracht, erst am nächsten oder übernächsten Tag vorsichtig gegossen werden und auch keine direkte Sonneneinstrahlung bekommen.
Mein Substrat ist i. d. R. rein mineralisch.

Nun würde mich brennend interessieren, wie eure Erfahrungen zu diesem Thema sind.

Herzliche Grüße
Gerald

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Dienstag, 28. Juli 2020, 18:20

....da alle gelieferten Pflanzen sofort in den Topf gebracht, erst am nächsten oder übernächsten Tag vorsichtig gegossen werden

Ich habe zwar keine direkte Erfahrung mit der Weiterkultur solcher Pflanzen.

Meiner Ansicht solltest du die Pflanzen nicht bereits am nächsten oder übernächsten Tag gießen, sondern frühestens nach einer Woche. Durch die vorherige Prozedur sind die empfindlichen Faserwurzeln geschädigt und müssen erst abheilen, bzw. neu gebildet werden.

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Dienstag, 28. Juli 2020, 20:27

Hi Gerald,

da ich primär Kakteen pflege, ist das bei mir auch kein Thema. Die haben deutlich mehr Wasserspeichervermögen und da kann man bis zum Eintopfen locker 10 Tage warten (bis sämtliche unvermeidbare Wurzelverletzungen abgeheilt sind). Du kannst je nach Pflanze natürlich nicht so lange warten.

Aber um Näheres sagen zu können, müsste man auch ungefähr wissen, auf welchem Weg sich deine Neuzugänge verabschiedet haben. Einfach nicht mehr in die Gänge gekommen und vertrocknet (was ja auch auf Wurzelschaden schließen lässt) oder Fäulnis von unten (was ziemlich sicher von faulenden Wurzeln aufgrund der offenen Wurzelverletzungen kommt).

Ansonsten kommen natürlich noch die Faktoren des Versand- und Umzugstresses dazu. Andere Bedingungen, evtl. von Gewächshaus ins Freie, etc., was für eine Pflanze schon auch nicht ohne ist.

Liebe Grüße und natürlich auch noch ein herzlicher Willkommensgruß - Shamrock (aka Matthias)
"Man vermeide, wenn man sich schon mit Kakteen befassen will, jede Art von Humor und Toleranz." - Glossen-Autor aculeatus in der Stachelpost 1969


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Donnerstag, 30. Juli 2020, 00:26

Hallo Gerald,

ich habe bisher erst wenig Erfahrung mit dem Versand, beziehungsweise Empfang, von Caudex Pflanzen. Vor kurzem habe ich mir bei einem privaten Verkäufer eine Cyphostemma juttae gekauft. DHL hat dann geschafft das Päckchen mit der Pflanze über eineinhalb Woche kreuz und quer durch die Gegend zu schicken bevor es endlich bei mir ankam. Diese Pflanze hatte nur einen Knick in einem Blatt und sah wirklich sehr gut aus obwohl sie auch wurzelnackt war. In Absprache mit dem Verkäufer habe ich nach dem Eintopfen drei Tage bis zum ersten Gießen gewartet.
Dann habe ich mir Anfang Juli eine kleine Dorstenia und eine Petopentia natalensis bei einem Händler bestellt. Diese Pflanzen waren zwar nur vier Tage auf dem Postweg, kamen hier aber augenscheinlich völlig ausgetrocknet an. Nach dem Einpflanzen habe ich dann auch schon am nächsten Tag gegossen. Die Dorstenia hat aber trotzdem alle Blättchen und die Blüte abgeworfen. Das soll normal sein habe ich gelesen, und sie treibt jetzt auch wieder neue Blätter.
Die Pflanzen vom Kakteen Händler müssen schon vorher eine Zeit kein Wasser mehr bekommen haben, sonst wären sie nicht in so trockenem Zustand hier angekommen. Vielleicht ist es gerade für größere/ältere Exemplaren, wie du sie dir bestellt hast, schwierig wieder Fuß zu fassen wenn die Wurzeln an der Luft getrocknet sind? Dann muss die Pflanze zusätzlich auch noch mit einem neuen Standort und anderen Bedingungen zurecht kommen. Könnte das gerade für ältere Pflanzen besonders problematisch sein? Hattest du bei den Händlern mal angefragt ob sie dir Pflanzen auch getopft zuschicken könnten? Die höheren Portokosten wären ja das kleinere Übel zu eingegangenen Pflanzen. Ich meine während des Bestellprozesses bei Uhlig konnte man das auch auswählen, ich bin mir aber nicht sicher und finde da auch keine Informationen auf der Homepage zu.
Sehr schade um deine Pflanzen!

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Freitag, 31. Juli 2020, 10:07

Herzlichen Dank für eure Antworten.
Im Grundstatz stimme ich euch natürlich zu, Pflanzen erst nach einigen Tagen das erste Mal zu gießen.
Wenn aber einzelne Exemplare, wie Trude das schon so treffend angesprochen hat, nach kurzer Transportzeit ankommen und ausschauen, als wenn sie schon seit längere Zeit kein Wasser mehr gesehen haben, dann muss gehandelt werden.

Eventuell könnte das natürlich auch mit der Größe und dem Alter zusammen hängen - "alte Bäume versetzt man nicht!", aber das kann natürlich nur eine Vermutung sein.
Leider habe ich von den angesprochenen Pflanzen keine Fotos gemacht, so dass ich den erbarmungswürdigen Zustand nicht zeigen kann.
Für mich steht jedenfalls fest, dass ein großes Pachypodium brevicaule, nicht durch ein einmaliges Gießen am nächsten Tag völlig in sich zusammen fallen kann.

Und ja, mir hat das "Herz geblutet", diese Schönheiten auf den Kompost werfen zu müssen.

Fazit: Man lernt nie aus und es gibt in Zukunft nur noch jüngere Exemplare oder, falls der Wunsch nach einem größeren Individuum doch stärker ist, dann nur getopft.

Viele Grüße
Gerald

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Freitag, 31. Juli 2020, 10:19

Oder nur in der Winterruhe bestellen? Auch wenn da leider manche nicht versenden. Ich glaube nicht, dass es bei der Post so kalt wird...

So ein Pachypodium kann zwar im Sommer recht durstig sein, aber gerade ein altes Exemplar sollte auch genügend Wasserspeicher für eine längere Gießpause haben.
"Man vermeide, wenn man sich schon mit Kakteen befassen will, jede Art von Humor und Toleranz." - Glossen-Autor aculeatus in der Stachelpost 1969