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Donnerstag, 11. Juli 2019, 08:34

Also rechtzeitig noch was lagern....
Liebe Grüße, Benni
Flickr Galerie! Die besten Bilder sind hier zu finden.
EyeEm.

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Samstag, 20. Juli 2019, 01:53

Nun sind die Wurzelläuse auch bei mir angekommen. Meine Beobachtungen möchte ich teilen. Und vielleicht erhalte ich Anmerkungen oder Hinweise, die mir helfen, der Biester Herr zu werden. Im Vorfeld entschuldige ich mich für die Länge meiner Beiträge.

Wie kamen die Biester in meine Sammlung? (nur für besonders interessierte Leser; für Eilige ist der nächste Beitrag geeigneter ;) )

Die Geschichte davor:
2013 erwarb ich Euphorbia moratii samt Topf und Substrat. Das erste und einzige Mal topfte ich sie 2015 um. Ein Foto dieser ausgetopften, gesunden Pflanze zeigte ich im Thread Euphorbienbilder. Euphorbia moratii, die immer in einem Übertopf stand, kränkelte Mitte 2016. Ich topfte sie aus und fand Wurzelläuse. Daraufhin topfte ich alle Pflanzen in ihrer Umgebung (Fensterbrett) aus und kontrollierte deren Substrat und Wurzeln, fand aber keine Wurzelläuse. Schließlich stufte ich dieses Vorkommnis als mysteriösen Sonderfall ein, und ging dem nicht weiter nach. Übrigens topfe ich alle Pflanzen, die auf den Fensterbrettern stehen (es sind gegenwärtig ausschließlich Euphorbien), alle ein bis zwei Jahre um. Von 2017-2019 fand ich beim frühjährlichen Umtopfen der Pflanzen keine Wurzelläuse weder an Wurzeln noch in Substraten. Auch bei Umtopfaktionen außer der Reihe stellte ich keinen Befall fest.

Die jüngere Geschichte:
Anfang Juni dieses Jahres fiel mir auf, dass die Blätter einer Euphorbie kleiner waren als in den Jahren zuvor. Die Blätter einer anderen Pflanze waren eingerollt und auch zu klein. Ich topfte beide Pflanzen, die auf dem selben Fensterbrett standen, aus. Sie waren mittelstark von Wurzelläusen befallen und hatten kaum noch feine Wurzeln. Zudem waren Wurzelteile faul, die ich amputieren musste. Diese Pflanzen unterzog ich einer Behandlung und separierte sie von der restlichen Sammlung. Wieder topfte ich Pflanzen in ihrer näheren Umgebung aus und fand keine weiteren Wurzellauskolonien. Leider nahm ich mir nicht die Zeit alle Pflanzen des betreffenden Fensterbretts auszutopfen, da ich beruflich stark unter Druck stand, was sich im Nachhinein als ein fataler Fehler erwies. Euphorbia sp. nova (fishbone), die noch mit der Produktion von Samen beschäftigt war, zeigte 5 Wochen später Blattverfärbungen und stellte die Blütenproduktion ein. Diese Pflanze, die bei der vorigen Kontrolle frei von Wurzelläusen war, zeigte einen starken Befall. Sie überlebte die Behandlungsprozedur nicht. Sie ging innerhalb einer Woche ein. Drei Samen produzierte sie zuvor mit letzter Kraft. Einer dieser Samen keimte vor ein paar Tagen und hebt ein wenig meine Stimmung. Während die Pflanze einging, malerte ich meine Wohnung und musste alle Pflanzen ausräumen. Dabei fiel mir merkwürdiges Leben im Untersetzer von E. retrospina auf. Ich nenne diese Pflanze beim Namen, weil sie im Nachhinein bei der Rekonstruktion der Wurzellausinvasion eine Schlüsselrolle spielte, und ich beschloß "Tabula rasa" zu machen. Das große Austopfen konnte beginnen. X(

Die Aktion und der Befund:
Zunächst topfte ich die Pflanzen auf dem Fensterbrett im Schlafzimmer aus. Zuerst waren alle Pflanzen dran, die nicht in Übertöpfen standen. Keine dieser Pflanzen hatte Wurzelläuse. Danach untersuchte ich die Pflanzen, die in Übertöpfen standen. Ich fand eine Pflanze, welche von Wurzelläusen annektiert war, die im Schlafzimmer seit Mitte Mai ihr Domizil hat. Sie stand vorher auf dem Pflanzenregal, welches sich über dem Fensterbrett in der Küche befindet, und kam 2018 samt Topf und Substrat in meine Sammlung, weil ich dem Verkäufer vertraute. Das ist die Pflanze, die mir die Pest ins Haus holte, dachte ich bei mir. Erst später stellt ich fest, dass ich mich wohl irrte. Keine weitere Pflanze im Schlafzimmer war verlaust. Die Pflanzen in den Hängeampeln topfte ich nicht aus, da ich den Wurzelläusen nicht zutraute, dass sie einen Meter in die Höhe kriechen und auf der Duschstange balancieren, um in die Töpfe meiner Pflanzen zu kommen.

Danach nahm ich mir die Pflanzen vor, die im Badezimmer (ohne Übertopf und ohne Unterteller) auf dem Fensterbrett über der Badewanne stehen. Es sind bewurzlte Stecklinge, Sämlinge, Hybride, eine etwas sperrige Euphorbia und meine Jatropha cinerea. Sicherlich sorgt dieser Standort bei dem einen oder anderen Kollegen für Kopfschütteln. Ich kann nur versichern, dass die Pflanzen dort gedeihen, und nicht darben müssen. Außer einem bewurzelten Steckling waren alle Pflanzen frei von Wurzelläusen. Der verlauste Steckling stand bis Februar 2019 auf dem Fensterbrett im Schlafzimmer, bevor er ins Bad gelangte. Ich entsorgte ihn samt Topf im Müll.

Vor dem nächsten Schritt graute mir: das Austopfen der Pflanzen, die auf dem Regal in der Küche stehen, welches ich Oktober 2016 in Betrieb nahm. Dort steht mein Dornenwald. Die Pflanzen stehen dicht an dicht auf Untertellern. Nur ganz wenige Pflanzen stehen in Übertöpfen, die einen gewissen Schutz bieten könnten. Dort tummelten sich in meinem Geiste die Biester; dort ist ihr Hort. Ich irrte mich gewaltig. Nur eine Pflanze war betroffen, die oben genannte E. retrospina. Sie war stark befallen. Trotz der Heerschar von Wurzelläusen machten ihr Caudex einen guten Eindruck; nur die ganz feinen Wurzeln waren nicht so zahlreich vorhanden, wie ich es mir wünschen würde. Oberirdisch wirkte sie bestens und sehr gesund. Ich verstand die Welt nicht mehr. ?(

Auf dem Fensterbrett unter dem Regal waren vier Pflanzen befallen. Zwei von ihnen kontrollierte ich fünf Wochen zuvor. Da waren sie frei von Wurzelläusen. Sie waren sehr schwach befallen. Jeweils zwei Wurzellausexemplare erkundeten in ihnen das Terrain und bereiteten die Übernahme dieser Pflanzen vor. Die anderen beiden Pflanzen waren stark befallen. Diesen stark befallenen Pflanzen war von außen nichts anzusehen. Beide Pflanzen blühten und zeigten tolle, kräftige Blätter. Auch ihre Wurzeln waren tadellos. Die Pflanzen in den Wandtöpfen untersuchte ich nicht. Daneben topfte ich E. viguieri nicht aus, die seit etwa sieben Jahren in dem riesigen Übertopf steht.

Schließlich nahm ich mir das andere Fensterbrett in der Küche vor. Eine Pflanze war mittelstark befallen. Eine andere stand kurz vor der Invasion. Nur zwei Wurzellaussoldaten waren in ihrem Topf zu finden. Zudem konnte ich noch zwei Töpfchen mit Sämlingen ausmachen, in denen sich auch jeweils zwei Wurzelläuse befanden. Zwei Pflanzen, die auf diesem Fensterbrett stehen, topfte ich nicht aus. Sie stehen in hohen Übertöpfen. Auch die Wandübertöpfe ließ ich aus. Ich topfte alle Sämlinge aus, die sich in meiner Sammlung befinden.Insgesamt topfte ich knapp 100 Pflanzen aus und um. Allen Pflanzen, die keinen Befall zeigten, gönnte ich ein neues Substrat. Das alte Substrat entsorgte ich. Zuvor reinigte ich die Wurzeln mit einem scharfen, sehr warmen Wasserstrahl. 12 Pflanzen und zwei Sämlinge waren von Wurzelläusen geplagt.

Die Verteilung der betroffenen Pflanzen in der Wohnung ergab für mich zunächst keinen Sinn, denn ich gehe davon aus, dass diese Läuse nicht von einem Zimmer zum anderen gehen, die Fensterbretter erklimmen und wahllos Töpfe besetzen. Mich beschäftigte nun die Frage: wie kommen die Biester von a nach b? Ich hatte dann eine Idee. Seit einigen Jahren fotografiere ich meine Fensterbretter mit allen Details (manchmal monatlich oder mehrmals im Monat). Anhand der Fotos der letzten zwei Jahre könnte ich rekonstruieren, welche Pflanze, wann und wo stand. In Anbetracht des E. moratii-Beispiels kann ich mir durchaus vorstellen, dass Wurzellauskolonien Pflanzen komplett verlassen und sich in anderen Töpfen breitmachen. Doch müssten die betroffenen Pflanzen Symptome des Wurzellausbefalls zeigen: Wachstumsstockung und geringe Blühtätigkeit. Und warum eigentlich blieben bei mir die Wurzelläuse auf dem Pflanzenregal und auf dem Fensterbrett im Bad längere Zeit nur in einem Topf ohne andere Pflanzen zu besiedeln?

Matthias sagt mir einmal, sinngemäß: ich könne froh sein, dass meine Sammlung so übersichtlich sei und sich in meiner Wohnung befindet. Ich hätte ständig alle Pflanzen im Blick und könnte schneller auf kleine Veränderungen reagieren. Ja, er hat vollkommen recht. Schließlich laufe ich nicht Tag für Tag teilnahmslos an meine Pflanzen vorbei. Sie sind ständig anwesend in meinem Bewusstsein. Deshalb habe ich die Entwicklung jeder einzelnen Pflanze im Gedächtnis. Und daneben habe ich ja noch die Fotos, die meinem Geist dann und wann auf die Sprünge helfen.

Ich gelangte zu dem Schluß: wenn ich das Wanderungsverhalten der Biester in meiner Wohnung halbwegs schlüssig interpretieren kann, ist bei mir vielleicht in einem gewissen Maße Prävention möglich.

Der zweite Teil folgt morgen. Ich bin jetzt einfach zu müde. :sleeping:
Nächtliche Grüße,
Norbert

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Samstag, 20. Juli 2019, 02:05

Ich hab´s komplett und aufmerksam gelesen - Mistviecher! X(
Hast du mal etwas gegoogelt um etwas über die Mobilität dieser Läuse zu erfahren? Soweit ich weiß, machen die sich mitunter in einem bestimmten Stadium manchmal auf die Socken, um neue Opfer zu suchen. Manche Lausarten haben da sogar extra ein Entwicklungsstadium, in welchem sie auch fliegen können. Müsste jetzt aber auch tiefer in die Materie einsteigen, um kompetentere Aussagen treffen zu können.
Toi! Toi! Toi!
"Man vermeide, wenn man sich schon mit Kakteen befassen will, jede Art von Humor und Toleranz." - Glossen-Autor aculeatus in der Stachelpost 1969


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Samstag, 20. Juli 2019, 12:42

Norbert, du hast mein vollstes Mitgefühl! Ich wünsch dir einen schnellen Sieg über die Bestien! Mir steht auch noch Kontrollaustopfen bevor bei ein paar Pflanzen. Dummerweise sind kleine Kinder und Euhorbien umtopfen keine so gute Kombination...
Bin gespannt wies weiter geht und ob du die Pflanze gefunden hast, die es eingeschleppt hat!
.. denn Sukkulenten machen glücklich.. <3..!

126

Samstag, 20. Juli 2019, 19:49

Ja, sie sind schon seltsam.

Was du sagst, von wegen Befall aber Pflanze geht es prächtig, das kenne ich bestens von Schildläusen. Gegen Schildläuse mache ich schon gar nichts mehr... Nie Schäden bemerkt,egal ob an Orchideen oder Farnen oder Sukkulenten.
Liebe Grüße, Benni
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Samstag, 20. Juli 2019, 20:19

Danke fürs Interesse. :)
Babs, ich hoffe, dass Du die Plage heil überstanden hast, und dass keine Pflanzen eingegangen sind. Es ist eine elendige Plackerei die Dinger zu bekämpfen und / oder im Zaum zu halten. Bei Dir kommt ja noch erschwerend hinzu, dass Du mit dem einen Auge die Pflanzen untersuchen und gleichzeitig mit dem anderen Auge Dein Kind beobachten musst. Ich wünsche Dir von Herzen Gelingen.

Hast du mal etwas gegoogelt um etwas über die Mobilität dieser Läuse zu erfahren?

Ja, ich googelte mir bereits die Finger wund. Es gibt ja eine Vielzahl an Wurzellausarten. Und die fliegenden Wurzellausarten sind besonders gruselig. Es kann natürlich sein, dass die Biester durch das geöffnete Fenster in meine Wohnung flogen. Schließlich befindet sich meine Wohnung direkt am Park, wo so einige Pappeln stehen, die den Läusen als Überwinterungsort dienen. Aber diese Läusearten sind nach meinem jetzigen lückenhaften Kenntnisstand grau oder gräulich gefärbt und nicht "strahlend" weiß, wie die bei mir vorkommenden Wurzelläuse, welche immer unterirdisch leben sollen. Sehr wahrscheinlich kamen die Wurzelläuse als Beipack gekaufter Pflanzen in die Wohnung.

Bin gespannt wies weiter geht und ob du die Pflanze gefunden hast, die es eingeschleppt hat!

Mit hundertprozentiger Sicherheit, werde ich diese Frage wohl nie beantworten können. Es kann ja sein, dass die Schädlinge mit zwei oder mehr Pflanzen in meine Wohnung kamen. Zwar kaufe ich meine Pflanzen nicht im Baumarkt (Ausnahme: zwei Kakteen, die auf dem Fensterbrett im Hausflur stehen), und die meisten meiner Pflanzen wurden auf dem Postweg wurzelnackt geliefert, doch Wurzelläuse sind auch bei professionellen Händlern allgegenwärtig. Momentan fühle ich mich wie ein Archäologe, der die Befunde einer Ausgrabung interpretiert, aber nicht die Vergangenheit komplett lebendig machen kann. Doch, wenn ich mit manchen Vermutungen richtig liege, könnte ich mich besser vor einem massenhaften Auftreten der Biester schützen, und damit meine ich nicht die Anwendung der ganz großen chemischen Keule. Nun gut, ich gebe es zu: als ich meine Pflanzen einzeln austopfte kam mir schon hin und wieder der Gedanke mit illegalen Mitteln gegen die Biester vorzugehen. :whistling:

Zur Interpretation meines Befunds:
Von Wurzelläusen waren bei mir nicht geplagt die Pflanzen, deren Töpfe lange in ein und demselben Übertopf standen. Das zeigt mir: die bei mir vorkommende Wurzellausart kriecht nicht oberirdisch über Triebe und Blätter hinweg zur nächsten Pflanze, denn meine Pflanzen stehen dicht an dicht und berühren einander. Meine Wurzelläuse bevorzugen den Weg durch die Löcher im Boden der Töpfe. Möglicherweise entspricht es nicht ihrem programmierten Instinkt erst nach oben zu laufen, dann wieder nach unten, danach wieder nach oben, und danach wieder nach unten usw. um an die begehrten Wurzeln zu kommen. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass die Viecher auch oben aus dem Substrat herauskommen, doch, wenn sie weiterlaufen, bleiben sie im Übertopf. Ich weiß, Übertöpfe werden für Sukkulenten nicht empfohlen, da in ihnen überschüssiges Gießwasser stehen bleibt, welches Wurzelfäulnis verursacht. Doch, wird dieses überschüssige Wasser schnell wieder entsorgt, dann können Übertöpfe durchaus von Nutzen sein, in dem sie die Wurzellausplagegeister auf Abstand halten, oder umgekehrt aber auch Wurzellauskolonien einkerkern und daran hindern andere Pflanzen der Sammlung zu befallen. Z. B. stand die mit einem Übertopf versehene und verlauste E. venenifica über zwei Monate auf dem Fensterbrett im Schlafzimmer und gab die Schädlinge an keine andere Pflanze weiter.

Es gibt natürlich Einschränkungen. Da ich kaum Platz habe, stelle ich die Sämlinge in die Töpfe großer Pflanzen. Sind jene kleinen Sämlingstöpfe verlaust, fungieren sie als Taxi, das die Wurzelläuse von einem zu dem anderen Topf chauffiert. So können die Schädlinge natürlich auch in Töpfe gelangen, die lange Zeit durch einen Übertopf geschützt standen.

Meine Rekonstruktion des Befallsverlaufs mittels Sammlungsfotos werde ich hier nicht komplett darstellen, denn dafür habe ich gegenwärtig kaum Zeit, und der Text ist ohnehin schon viel zu lang.

Fast alle von Wurzelläusen befallenen Pflanzen standen die letzten 18 Monate - manche durchgehend und andere temporär - auf einem einzigen Fensterbrett zusammen. Die stärker befallene E. retrospina, die sich seit zwei Jahren in meiner Sammlung befindet, wechselte in der gesamten Zeit sechsmal den Stand. Ich stellte sie deshalb so häufig um, weil sie sperrig ist, ständig mit irgenwelchen anderen Pflanzen auf dem Fensterbrett kollidiert und deren Blätter mit ihren Dornen beschädigt. Zeitweise stand diese sehr mobile E. retrospina in verschiedenen Übertöpfen, und zwischendurch immer wieder mal ohne Übertopf auf Untertellern, auf den Fensterbrettern von Schlafzimmer und Küche und auf dem Regal im Dornenwald. Als ich mir E. venenifica anschaffte, stellte ich E. retrospina ins Schlafzimmer. Dort stand sie eine Zeit lang ohne Übertopf, und verwurzellauste den Steckling, eine von den zwei Pflanzen, die dort standen und keinen Übertopf hatten. Diesen befallenen Steckling stellte ich Anfang dieses Jahres auf das Fensterbrett im Badezimmer. Als ich Mitte 2018 E. venenifica anschaffte, erhielt sie den Platz, wo zuvor E. retrospina stand, und auch deren Unterteller, den ich nicht kontrollierte. Beide Pflanzen standen im Mai kurzzeitig zusammen etwas entfernt vorneinander im Dornenwald. Übrigens vergaß ich E. retrospina im Frühjahr umzutopfen, ebenso eine weitere von Wurzelläusen befallene Pflanze, obwohl sie fällig waren. :rolleyes:

Da meine Übertöpfe handgefertigt sind und individuell aussehen, konnte ich anhand der Fotos nachzeichnen, welche Pflanze wann in welchem Übertopf stand.
Außer einer Pflanze waren alle stärker betroffenen Pflanzen das letzte Jahr über in einen beständigen Übertopftausch involviert, inklusive Standortwechseln. Alle Pflanzen, die in diesen vier Untertöpfen standen, wurden von Wurzelläusen besiedelt. Durch infizierte Sämlinge gelangten Wurzelläuse in zwei weitere Töpfe von standorttreuen Pflanzen, die am Übertopftausch nicht teilnahmen. Sehr wahrscheinlich setzte ich Anfang Juni beim Herausnehmen der Pflanzen aus den Übertöpfen (zwecks Untersuchung) ungeschickterweise Wurzelläuse auf der Fensterbank frei, wo sie ab diesem Zeitpunkt vagabundierten und zwei noch nicht betroffene Exemplare, die E. sp. nova und eine weitere Pflanze besiedelten, die nicht in Übertöpfen standen.

Warum sich die Wurzelläuse auf dem Fensterbrett im Badezimmer nicht ausbreiteten, ist wohl einfach zu erklären. Wurzelläuse mögen Feuchtigkeit nicht. Sie hatten keine Lust von einem Topf zum anderen zu schwimmen. Natürlich ist das Badezimmerfensterbrett nicht beständig nass. ;) Keine Pflanze hat dort einen Unterteller. Ab und zu spüle ich das Fensterbrett mit Wasser komplett ab.
Schwerer zu erklären ist die Tatsache, dass infizierte Pflanzen keine weiteren Pflanzen meines Dornenwaldes ansteckten. E. venenifica stand nur dort, bevor sie ins Schlafzimmer kam. Auch eine andere betroffene Pflanze, die ich im Frühjahr vergaß umzutopfen, stand fast das ganze Jahr über dort. Nun, eine der beiden könnte sich dort von der anderen die "Pest" geholt haben. Dennoch ist es schon bemerkenswert, dass die Biester um alle anderen Pflanzen, die nur in Untertellern um sie herum standen, einen großen Bogen machten. Meine Erklärung für dieses Mysterium ist reine Spekulation, und ob ich richtig liege, wird die Zukunft zeigen. Das Regal ist gefertigt aus unbehandeltem Leimholz. Da ich seit etwa zwei Jahren ab und zu meine Pflanzen mit einem Spinnmilbenmittel behandele, dass Pyrethrine und Abamectin enthält, wird das Regalbrett getränkt mit dem Zeug. Möglicherweise nehmen die Wurzelläuse diesen Untergrund als eine feindliche Umgebung wahr, und bleiben lieber in ihren Löchern, oder möglicherweise ist ihnen der im Holz verarbeitete Leim nicht genehm.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Biester mindestens ein Jahr lang in meiner Sammlung präsent sind, sonst ist für mich deren Ausbreitung in der Wohnung nicht erklärbar. Die Ausbreitung der Schädlinge verlief nicht explosiv. Welche Pflanze(n) die Wurzelläuse in die Sammlung brachte(n), kann ich nicht zweifelsfrei ermitteln. In Frage kommen drei Pflanzen. Alle diese Pflanzen zeigten im vergangenen und diesem Jahr deformierte Blätter. Zwei von ihnen zeigten ab und zu spontanen Blattfall, und einen großen Durst (nicht E. venenifica). Ich goß diese Pflanzen häufiger, was ja gut ist, weil Feuchtigkeit die Biester in Schach hält. E. venenifica, die samt Topf und Substrat in meine Sammlung kam, wurde wie alle anderen gekauften Pflanzen auch, zunächst in Quarantäne gestellt und in wurzelnacktem Zustand chemisch behandelt. Beim Austopfen fand ich keine Wurzelläuse. Da ich zu dieser Zeit kein frisches Substrat hatte, verwendete ich das alte Substrat und aus Bequemlichkeit den alten Topf (samt Wurzellauseiern?).

Im nächsten Beitrag werde ich die von mir gewählte Behandlungsprozedur beschreiben und mir ein paar Gedanken zur Prophylaxe machen.

Gruß,
Norbert

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Norberto« (20. Juli 2019, 20:41)


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Samstag, 20. Juli 2019, 22:07

Zur Behandlung:
Glücklicherweise hatte ich genug Substrat gebunkert. Ansonsten ging ich völlig unvorbereitet in die Behandlungsprozedur, meinem Bauchgefühl folgend.
Die Wurzeln aller von Wurzelläusen befallenen Pflanzen spülte ich zunächst mit einem sehr warmen, scharfen Wasserstrahl ausgiebig bis sie von jeglichem Substrat befreit waren. Danach legte ich die Pflanzen kurz zum Trocknen auf Küchentücher aus. Nachdem die Pflanzen trocken waren, tunkte ich sie knapp 5 Minuten in eine Axoris-Brühe. Es war ein Restbestand aus alten Tagen, der nun komplett aufgebraucht ist. Die Körper toter Biester, welche die Wasserprozedur überstanden haben, schwammen sogleich in der Brühe herum. Danach ließ ich die Pflanzen wieder trocken werden.Zwei Pflanzen, die ein sehr komplexes Wurzelwerk haben, mussten eine weitere Kur über sich ergehen lassen. Ich goss Alkohol (70%) in die unzugänglicheren Abschnitte, um dort eventuell versteckt sitzende Biester abzutöten. Nach dem Abtrocknen kam die letzte Prozedur. Die Wurzeln der Pflanzen mussten ein Neem-Bad nehmen. Die Neembrühe gewann ich aus gemahlenen Neemsamen (50 Gramm auf ein Liter Wasser). Die gemahlenen Samen ließ ich zuvor mehr als drei Stunden in dem Wasser. Danach seihte ich die groben Bestandteile der entstandenen Brühe ab. Der Vorteil dieser Brühe im Gegensatz zu Neemöl ist, dass kein Öl zum Einsatz kommt, das die Wurzeln verklebt. Mit dem unverbrauchten Teil der Neem-Brühe goss ich später alle Pflanzen meiner Sammlung. Zuvor überprüfte ich bei zwei Kandidaten, wie meine Pflanzen darauf reagieren. Da ihnen dieses Gebräu zu gefallen schien, wandte ich es bedenkenlos an. Ich putzte alle Fensterbretter mit scharfen Putzmitteln, säuberte alle Untersetzer und Übertöpfe betroffener Pflanzen gründlich (zunächst behandelte ich sie mit kochendem Wasser).

Im Nachgang werde ich alle meine Pflanzen mit Careo gießen, auch jene, welche die Wurzelläuse verschonten.

Zur Prophylaxe:
Aus Flugzeugunglücken lernen Ingenieure wie man Flugzeuge sicherer bauen kann. Sicherheitspannen zeigen Lücken im System auf. Auch ich kann aus der ersten großen Begegnung mit Wurzelläusen lernen. Mir ist klar, dass bei mir Sonderbedingungen herrschen: Fensterbrettkultur, Übertöpfe usw…
Wenn ich in der Zukunft Übertöpfe tausche,werde ich diese zuvor gründlich reinigen. Genau so werde ich mit Untersetzern verfahren. Mein Pflanzenregal und das neue vergrößerte Fensterbrett, welche aus Leimholz bestehen, imprägnierte ich vorsichtshalber noch einmal mit Pyrethrine und Abamectin. Es kann ja sein, dass die Biester dadurch etwas aufgehalten werden können. Ich werde in Zukunft ab und zu Neembrühe gießen, damit den Wurzelläusen meine Pflanzen nicht mehr so gut schmecken. Neue Pflanzen werden noch stärkere Vorbehandlungen erfahren bevor sie in meine Sammlung kommen. Es wird keine Ausnahmen mehr geben. Alle Pflanzen, die mit den Läusen in Kontakt kamen, stehen bei mir ab sofort bis zur Entwarnung in Übertöpfen.

Ich wünsche allen Erfolg beim Kampf gegen die Biester. Vielleicht kann mir der eine oder andere noch dabei helfen, Lücken im System zu schließen. Mir ist klar, dass vollkommene Sicherheit eine schöne Illusion ist.

Gruß,
Norbert

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Samstag, 20. Juli 2019, 22:43

Norbert, besten Dank für deinen ausführlichen uns sicherlich hilfreichen Bericht. :thumbup:

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Sonntag, 21. Juli 2019, 00:06

Krimi um Mitternacht 8|
Euphorbien werden zwar eher weniger von Schadinsekten befallen, aber wenn wie bei dir fast ausschließlich Euphorbien gedeihen, dann haben die Biester auch keine andere Möglichkeit.
Ich drücke dir und allen anderen Wurzellaus-Geplagten die Daumen, dass die getroffenen Maßnahmen greifen.

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Sonntag, 21. Juli 2019, 00:24

Für mich als Außenstehenden sind deine Theorien alle schlüssig und nachvollziehbar (Verbreitungswege, etc.). Ganz interessant ist es darüber nachzudenken, dass evtl. Übertöpfe wirklich eine Ausbreitung von Wurzelläusen erschweren können. Im Endeffekt absolut nicht abwegig!

Zu den weißen Wurzelläuse meine ich mal irgendwo gelesen zu haben, dass diese im Endeffekt nichts anderes als Wollläuse sind, welche sich auf ein unterirdisches Leben spezialisiert haben.

Wünsche dir einen langen Atem und maximalen Erfolg! :thumbup:
"Man vermeide, wenn man sich schon mit Kakteen befassen will, jede Art von Humor und Toleranz." - Glossen-Autor aculeatus in der Stachelpost 1969


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Sonntag, 21. Juli 2019, 06:48

Und woher bekommt man gemahlenen Neem - Samen?

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Sonntag, 21. Juli 2019, 13:11

Mich würde auch eine Bezugsquelle für gemahlenen Neemsamen interessieren. Die Wirkung dieses ökologischen, aus den Samen des indischen Neembaums gewonnenen Mittels ist ja bekannt, einzig das im Handel erhältliche Neemöl hat mich bisher von dem Einsatz bei empfindlichen Pflanzen abgehalten.

Da Neem nicht schädigend für nützliche Insekten ist, würde mich eine Bezugsquelle von gemahlenem Neemsamen ebenfalls sehr interessieren.

Wir haben nämlich in diesem Jahr eine bunte Mischung diverser, insektenfreundlicher Pflanzen ausgesät, da viele Nutzinsekten inzwischen vom Aussterben bedroht sind. Leider werden einige dieser Pflanzen auch von Blattläusen heimgesucht. Natürlich könnte ich sie mit einer Giftbrühe spritzen, was aber absolut kontraproduktiv bzgl. der Nutzinsekten wäre.

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Sonntag, 21. Juli 2019, 14:57

Ich hab es inzwischen gefunden, gibt es eigentlich überall, mal bei Google eingeben. Es gibt auch Pulver, das man auflösen kann, aber man muß darauf achten, daß die Samen entölt waren.

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Sonntag, 21. Juli 2019, 15:03

Die gemahlenen Neemsamen kaufte ich hier.

Für mich als Außenstehenden sind deine Theorien alle schlüssig und nachvollziehbar (Verbreitungswege, etc.).

Danke für den Zuspruch. :)

Gruß,
Norbert

136

Samstag, 27. Juli 2019, 13:20

Inzwischen habe ich den gemahlenen Neemsamen über die von Norbert mitgeteilte Bezugsquelle erhalten.

Morgen werde ich die Neembrühe ansetzen.

137

Sonntag, 28. Juli 2019, 15:51

Hallo Norbert,

welch eine Odyssee! Auch ich habe Deinen Bericht aufmerksam und mit großem Interesse gelesen, Danke, dass Du so detailliert geschrieben hast. Für mich war er auch hilfreich.

Je mehr Informationen man über den Feind hat, desto besser X(

Wenn man sich mal sowas ins Haus geholt hat fängt man an zu rattern, wann, wie, woher und warum überhaupt, es war sehr interessant Deine detektivischen Gedankengänge mit- und nachzuverfolgen, wie es dazu kommen konnte.
So viele Pflanzen ein- und austopfen, welch eine Mammutarbeit die Du da geleistet hast, Urs ist da ja auch leidgeprüft, das ist der absolute Horror. Ich wünsche Dir und Deinen Pflanzen, dass Du den Biestern endgültig den Garaus gemacht hast und sie alle mause- mausetot sind X( Daumen sind jedenfalls ganz ganz feste gedrückt.

Das mit den Neemsamen kannte ich auch nicht, werde ich sicherlich auch zukünftig in Betracht ziehen.

Mitfühlende Grüße!
Serpil

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Sonntag, 11. August 2019, 17:49

Morgen werde ich die Neembrühe ansetzen.


Kannst Du schon etwas zur Wirkung dieser Brühe sagen, Markus? Ich denke, sie war bei mir wohl hilfreich beim Bekämpfen der Biester. Der Geruch der Neembrühe ist gewöhnungsbedürftig. Mehr als zwei Wochen roch es in meiner Wohnung streng nach Neem. Meine Pflanzen nahmen keinen Schaden durch die Brühe. Manche meiner Pflanzen zeigten ähnliche Reaktionen wie auf guten Dünger.

Danke, Diken, für die lieben Worte und das Daumendrücken.
Die durch Wurzelläuse geschädigten Pflanzen erholen sich sichtlich: sie bilden viele neue Blätter und entwickeln schöne, neue Wurzeln.
Zu den besonders geschädigten Pflanzen gehört meine Euphorbia venefica. Dies ist ein aktuelles Bild der sich erholenden Pflanze. Neue Blätter "quellen" aus ihrem Haupt.



Es folgen zwei weitere Bilder von Euphorbia decaryi var. robinsonii. Das erste Bild entstand Mitte Mai und zeigt die Pflanze als Wurzelläuse ihre Untermieter waren.



Zu dem Zeitpunkt sah sie eigentlich ganz gut aus; sie blühte und hatte "feine" Blätter. Doch diese Blätter waren einfach zu klein. Und sie blieben so klein. Etwas mehr als einen Monat später topfte ich sie aus und fand die Biester, die einen großen Teil der Wurzeln vernichtet oder geschädigt hatten. Ich musste ein paar faule Teile der Wurzel amputieren. Feine Wurzeln hatte E. decaryi var. robinsonii nicht mehr.
Nach der Behandlung mit chemischen Mitteln stand die Pflanze knapp einen Monat lang auf der Wärmematte. Zudem spendierte ich ihr temporär ein gehaltvolles Substrat. Seit ein paar Tagen schiebt sie feine Wurzeln aus dem Topfboden heraus, was ich als ein gutes Zeichen ansehe. Das folgende Foto zeigt das aktuelle Aussehen der Pflanze. Die Blätter sehen nun so aus, wie sie sein sollen. :) Sicherlich wird sie bald wieder blühen.



Gruß,
Norbert

139

Sonntag, 11. August 2019, 17:59

Kannst Du schon etwas zur Wirkung dieser Brühe sagen, Markus?
Leider muss ich gestehen, dass ich aus zeitlichen Gründen noch nicht dazu gekommen bin, die Neembrühe anzusetzen. :|

Aber definitiv Morgen :thumbup:

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Sonntag, 11. August 2019, 18:38

Ach wie schön, Norbert, die Fotos Deiner genesenen Pflanzen! Da geht einem ja das Herz auf, die freuen sich richtig, dass Du sie von den Parasiten befreit hast, und sie jetzt richtig loslegen können!

Der Anblick der sich nun regenerierenden Pflanzen und machen alle Mühen uns Starapazen der Behandlung wieder wett, oder ^^


Lieben Gruß,
Serpil

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