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Samstag, 8. Juni 2019, 14:29

Euphorbia Ingens - wo schneiden?

Hallo Zusammen,
ich bin neu hier und benötige dringend eure Hilfe. Ich habe seit rund 7 Jahren eine Euphorbia Ingens und hatte nie Probleme. Allerdings hat sie scheinbar den Umzug nach Schweden nicht verkraftet und ich musste heute den Stamm abschneiden, da Fäulnisbefall. Ich vermute von Staunässe in Kombination mit wenig Licht oder Pilzbefall.
Meine Frage: Was kann gerettet werden? Wo setze ich am Besten Schnitte um möglichst schöne Setzlinge zu erhalten und wie lange sollen diese trocknen bevor ich sie ins Substrat setze? Im Anhang ein Bild der Gesamtpflanze und ein Bild des Stammquerschnitts.
Vielen Dank für eure Tipps & Gruesse aus Stockholm
Jochen
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Samstag, 8. Juni 2019, 15:28

Moin Jochen,

herzlich Willkommen hier im Forum!

Wo du schneidest ist egal, Hauptsache die Leitbündel sind sauber und nicht dunkel verfärbt und nach jedem Schnitt in verfärbten Gewebe unbedingt das Messer desinfizieren.

Die Schnittfläche rund 10 Tage trocknen lassen und Vorsicht mit dem giftigen Milchsaft (der ist echt nicht ohne! Kurz in lauwarmes Wasser tauchen stoppt den Milchfluss).

Zum Bewurzeln selbst findest du in der foreninternen Suchfunktion genug Anregungen. Gutes Gelingen und noch viel Spaß hier im Forum!

Shamrock (aka Matthias)
"Man vermeide, wenn man sich schon mit Kakteen befassen will, jede Art von Humor und Toleranz." - Glossen-Autor aculeatus in der Stachelpost 1969


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Samstag, 8. Juni 2019, 20:37

Hi Shamrock,
danke für die schnelle Antwort. Denkst du es wäre auch eine Option die gesamte abgeschnittene Pflanze zu nutzen oder wird das nur mit den Seitentrieben funktionieren? Ich bin nicht sicher ob die Schnittfläche sauber oder befallen ist, deshalb habe ich ein Bild dazu hochgeladen. Danke nochmals für eine Rückmeldung!

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Samstag, 8. Juni 2019, 21:28

Du kannst dich gerne auch hier mal rumtreiben: http://www.euphorbia.de/cuttings.htm ;)

Zu den Leitbündeln: Man kann es in etwa mit einer Blutvergiftung beim Menschen vergleichen. Die sieht man mitunter ja auch wandern und wenn sie mal beim Herz ankommen sollte, dann wäre das gaaaaanz schlecht. Die dunklen Verfärbungen in den Leitbündeln zeigen eine Infektion (Pilz oder was auch immer). Diese Infektion wandert auch über die Leitbündel durch die gesamte Pflanze und wenn sie mal oben angekommen ist, dann ist auch nichts mehr zu retten.
Prinzipiell kannst du natürlich auch die gesamte abgeschnittene Pflanze retten, aber eben nur, wenn da die Infektion noch nicht angekommen ist. Wenn die Infektion zu weit fortgeschritten sein sollte, dann verbleiben nur noch die gesunden Seitenäste. Auf dem zweiten Foto von dir sieht man auf jeden Fall, dass da die Infektion schon drin steckt!

Das normale Speichergewebe ist meist hellgrün und die Leitbündel selbst sind ein Kreis im Inneren. Dieser ist normalerweise etwas dunkler. Verfärbungen dagegen sind braun oder gar schwarz. Hier mal ein Extrembeispiel, wo es nicht zu übersehen ist:


Dieser Kaktus war also ein klarer Fall für die Restmülltonne (gerne auch in den Biomüll oder noch besser in den eigenen Kompost, wenn man so eine tolle Infektion gerne weiter verbreiten möchte, damit möglichst viele was davon haben).

Falls du dir nicht sicher bist, dass das "Reststück" infektionsfrei ist, dann einfach nochmal etwas weiter höher schneiden - oder uns zeigen und fragen. Ohne eine gründliche Desinfektion des Werkzeuges bringt man natürlich die Erreger gleich wieder direkt in den gesunden Bereich. Auch eine sehr effektive Mordmethode.

Alles klar jetzt? ;)

Ach ja, und wenn wir schon bei dieser tollen Euphorbia-Seite von Frank Vincentz sind: Hier mal ein netter Kommentar eines großen Euphorbia-Fachmanns und -Liebhabers --> http://www.euphorbia.de/art06.htm :whistling:
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Sonntag, 9. Juni 2019, 11:02

Vielen Dank für die tolle Antwort. Hat mir sehr geholfen.
Ich habe jetzt nach deiner Anleitung Schnitte durchgeführt und diese auch so hoch wie möglich gesetzt, um hoffentlich gesundes Gewebe zu erreichen.
Im Anhang sind die Schnitte (von links nach rechts zählend) von 1 bis 6 durchnummeriert. Die Schnitte wurden natuerlich jeweils mit sauberen Messern durchgeführt und die Schnittfläche mit Wasser abgewaschen,
Ich wäre dankbar, wenn du mir kurz deine Meinung dazu schreiben könntest, damit ich besser einordnen kann, ob das alles Restmüll ist oder ich Chancen auf ein Überleben der Pflanze habe.
Vielen Dank nochmals.
»KingJogi« hat folgende Bilder angehängt:
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  • Schnitte 1 und 2.jpeg
  • Schnitte 3 und 4.jpeg
  • Schnitte 5 und 6.jpeg

6

Sonntag, 9. Juni 2019, 12:28

Hallo Jochen,

meiner Ansicht nach hast du alles richtig gemacht, die Schnittstellen weisen zumindest optisch keine Infektion mehr auf.

Somit besteht eine gute Chance, dass die Pflanze, bzw. die Teilstücke überleben.

7

Sonntag, 9. Juni 2019, 12:28

Blitzsauber würde ich mal sagen. Die sind doch jetzt schon so gut wie gerettet und bewurzelt. Jetzt nur noch rund 10 Tage aufrecht zum Trocknen stellen und dann kann's losgehen. :thumbup:
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Sonntag, 9. Juni 2019, 13:09

Matthias/Shamrock & Markus, danke für die Antworten, ich bin wirklich überrascht, wie schnell man hier Hilfe und Rückmeldungen bekommt. Das klingt ja mal ganz ordentlich, ich halte euch natürlich auf dem Laufenden und werde berichten ob die Sache funktioniert hat.
Zum Bewurzeln habe ich hier im Forum und auf dem Link von Shamrock verschiedene Informationen gefunden, es wird über eine Trocknungsphase von 7 Tagen bis 6 Wochen geredet und ich habe ebenfalls gelesen, dass die Euphorbia Ingens auch liegend getrocknet werden kann, da die Wurzelbildung immer an der Schnittfläche und niemals an der Auflagefläche stattfindet.
Auch hierzu vielleicht nochmal eure Meinung? Wenn ich sie zum Trocknen aufrecht stelle wie von Shamrock vorgeschlagen, stelle ich sie dann direkt mit der Schnittfläche auf den Boden? Behindert das nicht sogar die Trocknung?
Nach der Trocknungsphase plane ich die Stecklinge ca. 5-10 cm tief in trockene Kakteenerde zu geben und diese dann auch erst nach einigen weiteren Tagen leicht zu befeuchten. Sollte es hierzu eine besserer Lösung geben, freue ich mich natürlich über Feedback. Danke nochmals & allen einen schönen Sonntag :)

Jochen

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Sonntag, 9. Juni 2019, 14:05

Jetzt wird's mir zuviel zum Handytippen. Ich senf dann mal heut Abend vom PC aus. ;)
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Sonntag, 9. Juni 2019, 18:32

Alles klar, dann warte ich mal geduldig auf deine Antwort - viel tun kann ich gerade ja eh nicht.
Es wäre besonders nett, wenn mir noch jemand einen Tipp zum optimalen Substrat geben könnte.
Tut es da zum Beispiel Compo Cactea oder ist ein rein mineralisches Substrat zu bevorzugen?

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Sonntag, 9. Juni 2019, 19:03

Ich würde ein rein mineralisches Substrat bevorzugen,

Das von dir erwähnte Substrat besteht in erster Linie aus Torf und sollte daher zumindest mit diversen mineralischen Bestandteilen gestreckt werden.

12

Sonntag, 9. Juni 2019, 19:47

Wie Markus schon schreibt, rein mineralisch muss bei so einer wuchsfreudigen Euphorbia gar nicht sein. Aber das Compo-und-Co-Zeugs hat mit artgerechter Erde mal so rein gar nichts zu tun. Außer man will schnellstmöglich wieder eine faulende Basis haben.

Von Opuntien weiß ich, dass sie mitunter kopfüber bewurzeln und notfalls ihre Wurzeln auch in den Teppich schlagen. Wenn die Wurzeln unten erscheinen sollen, warum dann nicht gleich auch das Wurzelwachstum beim Trocknen dort anregen? Aber natürlich so, dass auch genügend Luft an die Schnittflächen kommt. Beispielsweise in einen Topf lehnen o.ä.
Rund 10 Tage sind auch völlig ausreichend, sofern du die Stecklinge nicht in einem feuchten Keller o.ä. trocknen lässt. Auch in Schweden sollte ja aktuell Sommer sein. ;)

Ins Substrat stecken wie von dir beschrieben klingt gut. Sie sollten halt schon halbwegs stabil sehen und nicht beim leisesten Windhauch gleich umkippen.
Mit den ersten Wassergaben würde ich aber deutlich länger warten! Entweder sobald ein Neutrieb zu erkennen ist, oder einfach mal mit kleinen Minischlückchen so rund vier Wochen nach dem ins Substrat stecken. So lange reicht ihr Wasserspeicher ganz sicher zum Überleben. Hilfreich ist es auch, wenn man die wurzellosen Stecklinge im Substrat regelmäßig mal mit etwas Wasser einsprüht.
Solange sie keine Wurzeln haben, solltest du sie auch eher halbschattig aufstellen.

Bewurzelungskandidaten stehen bei mir beispielsweise immer im diffusen Licht unter einem Obstbaum. Der hält auch den meisten Regen ab, sofern es mal welchen gibt. Dafür bekommen sie beim Gartengießen immer eine kleine Wolke Erfrischungswasser. Mitunter kommt da schon nach 10 Tagen der erste Neutrieb, ab welchem man sie dann ganz normal weiterkultivieren kann.

Dir auch noch einen schönen Rest-Sonntag!
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