Sie sind nicht angemeldet.

1

Dienstag, 9. April 2019, 13:30

Schwarze Stellen an den Scheiteln eines Echinocereus mapimiensis

Auf der diesjährigen JHV, voriges Wochenende in Schweinfurt, hatte ich das Glück Dr. Thomas Brand kennen zu lernen. Ich habe seinen sehr unterhaltsamen Vortrag über Schädlinge besucht und konnte ihn danach sprechen. Vorsorglich hatte ich nämlich ein Sorgenkind aus meiner Sammlung mitgenommen, in der Hoffnung, dass mir Herr Brand weiterhelfen kann. Mein Sorgenkind ist ein eigentlich recht schönes Exemplar von Echinocereus mapimiensis. Leider neigt die Art bei mir direkt um die Scheitel herum schwarz zu werden. Die Pflanze wird unansehlich und hört auf zu wachsen. Spätestens dann fliegt die Pflanze aus der Sammlung. Meine Vermutung war, dass die schwarzen Stellen von einem Pilz hervorgerufen wurden. Da ich aber die Art so hübsch finde, landet bald eine weitere Pflanze in meine Sammlung und der Spaß beginnt von vorn. Aber jetzt könnte ich ja einen Experten in punkto Pflanzenschutz nach Rat fragen. Direkt vor Ort konnte und wollte Herr Brand auch keine Vermutung über die Ursache äußern. Bot mir aber an, die Ursache in seinem Labor heraus zu finden. Da überlegte ich nicht lange und besorgte ein Messer und gab ihm eine Probe mit.

Heute kam schon die Rückmeldung. Es konnte zweifelsfrei Brevipalpus russulus, die Falsche Kakteenspinnmilbe als Verursacher der Schädigung identifizieren. Er hat sowohl adulte Tiere als auch Eier entdeckt. Das hat mich sehr überrascht, da bei anderen Kakteen das Schadbild deutlich anders aussieht. Ich war aber erleichtert, denn gegen diesen Schädling kann ich etwas ausrichten. Folgende Behandlungsmetode wurde mir auch noch gleich empfohlen:
"... sollten Sie bei den notwendigen Behandlungen (Kiron,
Kanemite mit etwas Spüli) darauf achten, die Spitzen durchdringend zu benetzen.

3 Spritzungen mit abwechselnden Präparaten im Abstand von 4
Tagen (bei 20-25 °C – wenns kühler ist, entsprechend etwas das Intervall
verlängern, aber nicht länger als 7 Tage)."
Vielen Dank noch einmal an Herrn Brand für die schnelle Hilfe.

2

Dienstag, 9. April 2019, 21:07

Oh, das ging ja jetzt wirklich schnell! Danke für die Rückmeldung! :thumbup:

Da sieht man mal, wie dilettantisch man doch auf diesem Gebiet ist. Einen Spinnmilbenbefall hätten wohl selbst die erfahrensten Sammler bei dem Schadbild nie vermutet! Ich war mir ganz sicher, dass die schwarzen Triebspitzen auf irgendeine Infektion zurückzuführen sind.
Letztendlich ist also bei uns Sammlern Schädlingsbekämpfung häufig mit einem großen Raten statt Wissen verbunden.
"Man vermeide, wenn man sich schon mit Kakteen befassen will, jede Art von Humor und Toleranz." - Glossen-Autor aculeatus in der Stachelpost 1969


3

Mittwoch, 10. April 2019, 17:34

Sehr interessante Angelegenheit Jens, das Problem hatte ich ja auch schon (u.a. auch bei mapimiensis).
Ist dieser Bursche denn besonders anfällig dafür?
Meine schwarzen Stellen am Scheitel habe ich damals auf das Übersprühen im Sommer geschoben. Einige Echinocereen scheinen das nicht zu mögen und sind dann evtl. besonders sensibel gegen "Angriffe" von außen.
Betrifft es bei dir nur diese Art oder wildert diese Milbe auch an anderen Pflanzen?
Nach den Mittelchen muss ich erst mal schauen, die kenne ich nicht.

4

Freitag, 12. April 2019, 11:51

Es gib einige Kandidaten, die ich wegen der Milbe immer im Blick habe. Nur eben die schwarzen Stellen an EC mapimiensis habe ich nicht mit der Milbe in Zusammenhang gebracht. Diese Art scheint besonders anfällig für diesen Schädling zu sein. Deshalb habe ich jetzt auch beschlossen, diesen Echinocereus im offenen Hochbeet zu kultivieren, natürlich nicht im Winter.

5

Sonntag, 14. April 2019, 16:53

Jens, ich habe mir diese Behandlungsmethode mal kopiert und werde diese beiden Mittel probieren. Mein mapi hat ja auch schon wieder einen schwarzen Scheitel. Vielleicht hilft es. Hast du deinen schon behandelt oder wartest du noch auf besseres Wetter? Meine stehen ja schon draußen und ich möchte sie jetzt nicht unbedingt nass spritzen - würde mir ja auch nicht gefallen.

6

Sonntag, 14. April 2019, 19:20

Meine Pflanze steht jetzt auch draußen. Wegen der niedrigen Temperaturen habe ich auch noch nichts unternommen. Die Milben sind dann auch relativ träge. Demnächst soll es wärmer werden und ich werde den Schädlingen zu Leibe rücken.

7

Sonntag, 14. April 2019, 22:23

Es konnte zweifelsfrei Brevipalpus russulus, die Falsche Kakteenspinnmilbe
Von dieser Milbe habe ich noch nie gehört. Hast du dieses Schadbild denn auf irgendwelchen anderen Kakteen schon mal beobachten können? Wie/wo überlebt sie denn in den Zeiträumen, wo du keinen Ecc. mapimiensis in der Sammlung pflegst? Wie muss ich mir das vorstellen, sieht man diese Milbe auch mal (unter der Lupe) oder nur das Schadbild?

8

Sonntag, 14. April 2019, 22:46

Thomas Brand bezeichnet in seiner sehr nützlichen Publikation -> "Pflanzenschutz bei Kakteen und anderen Sukkulenten" die Art "Brevipalpus russulus" als "Kakteenspinnmilbe".

Somit dürfte es sich dabei um die für uns typische und den meisten bekannte Spinnmilbe handeln, die auch mit einer Lupe erkennbar ist.

9

Montag, 15. April 2019, 07:12

Genau Markus. Diese Milbe macht normaler Weise die bekannten braunen Schadstellen. Nur eben bei E. mapiminensis nicht, da werden sie schwarz. Deshalb habe ich den Schaderreger auch nicht erkannt, bzw. noch vornherein etwas anderes vermutet.

10

Montag, 15. April 2019, 18:43

Ach so – ich hatte das dann komplett falsch verstanden und dachte, das wäre eine andere Milbe …

Hm, Jens, kamst du denn nie auf die Idee, dir die Schadstellen mal unter der Lupe anzugucken? Da hättest du ja mal was krabbeln sehen müssen …

Muss ich ja glatt meine E. mapimiensis in Zukunft etwas aufmerksamer beobachten …