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Sonntag, 24. Februar 2019, 15:14

Euphorbia razafindratsirae umtopfen

In etwa zwei Wochen werde ich einige Pflanzen meiner Sammlung umtopfen. Eine kleinere Pflanze bereitet mir jedoch Kopfzerbrechen: Euphorbia razafindratsirae. Ich zog diese Pflanze aus einem Samen. E. razafindratsirae bildet einen Caudex, und blüht bei mir viele Monate im Jahr. Die Triebe der Pflanze wachsen laut Literatur und verschiedenen Bildern im Netz von waagerecht bis senkrecht nach oben. Das machen jedoch alle Triebe meiner Pflanze nicht. Sie wachsen mehr oder weniger nach unten. ?( Manche Triebe bohrten bereits die Spitzen ins Substrat. Nun ja, im letzten Jahr kam eine Euphorbia sp. aff. razafindratsirae auf den Markt, die Stolonen bilden soll. Doch meine Pflanze ist nun etwa 8-9 Jahre alt. Aus diesem Grund denke ich, dass sie keine E. sp. nova ist.

So, nun komme ich zu meiner Frage: wie soll ich die Pflanze topfen? Es bieten sich drei Möglichkeiten an:

a) Ich kann der Pflanze einen etwas größeren Topf spendieren, und ihren Caudex exponieren. Dann sind alle Triebe außerhalb des Substrats. Was ich noch nicht weiß, ist, ob bereits Triebe im Substrat Wurzeln bildeten. Ein exponierter Caudex dieser Pflanze wächst, wenn überhaupt, sehr langsam. Im Substrat nimmt er hingegen schnell eine ansehnliche größere Form an. Sicherlich werden die Triebe weiter nach unten wachsen. Ich müsste den Caudex im Laufe der Zeit immer höher setzen bis es nicht mehr geht, könnte aber temporär Platz auf der Fensterbank sparen.

b) Ich pflanze diese Euphorbia in einen viel größeren Topf, exponiere den Caudex nicht, und biete somit allen Trieben die Möglichkeit, den "Kopf in den Sand" zu stecken. Der Nachteil dieser Methode wäre, dass diese an sich kleine Pflanze, viel mehr Platz auf der Fensterbank beansprucht, und kaum zur Blüte kommt, da sich die Cyathien immer an den Triebspitzen bilden. Spannend wäre jedoch zu sehen, welchen Habitus die Pflanze im Lauf der Zeit entwickelt.

c) Ich spendiere meiner Pflanze einen - wenn möglich - sehr schlanken Rübenwurzlertopf, und exponiere den Caudex nicht. So könnten die Triebe, wenn sie wollen, ungehindert nach unten wachsen. Manche Triebe wachsen leider sehr nah am Caudex direkt ins Substrat, was unter Umständen das Eintopfen in einen schlanken Rübenwurzlertopf erschwert.

Vielleicht hat jemand eine gute Idee, und - wenn möglich - eine gute Begründung.
Die Fotos im Anhang zeigen die betreffende Pflanze.

Gruß,
Norbert
»Norberto« hat folgende Bilder angehängt:
  • Euphorbia razafindratsirae 1.jpg
  • Euphorbia razafindratsirae 2.jpg
  • Euphorbia razafindratsirae 3.jpg

2

Sonntag, 24. Februar 2019, 21:11

Norbert, rein aus dem Bauch würde ich mich für die "Rübenwurzlertopfvariante" entscheiden. Aber ernsthafte Gedanken zum Neu-Eintopfen würde ich mir an deiner Stelle erst nach dem Austopfen machen. Dann sehe ich, wie das Wurzelwerk beschaffen ist und passe diesem den neuen Topf an. Was nützt ein Rübenwurzlertopf, wenn da Platz für den Caudex ist, aber die in die Breite wachsenden Faserwurzeln keinen Platz finden? Oder vielleicht macht auch der unterirdische Caudex Anstalten in die Breite zu wachsen, etc., etc. Falls wider Erwarten doch plötzlich Stolonen auftauchen sollten, dann werden deine vorherigen Planungen schnell wieder über den Haufen geworfen.
Letztendlich entscheide also nicht ich, was für die Pflanze gut sein soll, sondern ich richte mich nach ihrem bisherigen Wurzelwachstum! Wobei, wer bei mir in die Höhe wächst, bekommt auch eher einen tiefen Topf - nimmt weniger Platz weg. Das ist dann ein Kompromiss zwischen Pfleger- und Pflanzenwillen.
"Man vermeide, wenn man sich schon mit Kakteen befassen will, jede Art von Humor und Toleranz." - Glossen-Autor aculeatus in der Stachelpost 1969


3

Sonntag, 24. Februar 2019, 23:17

Das ist ja tatsächlich ein schwieriges Vorhaben.
Ich denke nicht, dass die Pflanze aufhören wird, ihre Triebe nach unten zu leiten, nur weil sie etwas höher gesetzt wird. Früher oder später erreichen die Triebe wieder das Substrat.
Auch ich würde einen breiteren und einen Rübenwurzlertopf bereit halten und nach dem Austopfen entscheiden, wie weiter verfahren wird. Und unbedingt die Kamera bereit halten, denn wir wollen schon sehen, was sich da im Substrat versteckt.
Tendieren würde ich dazu, den Caudex (mal schauen was sich denn im Topf gebildet hat) nur etwas nach oben zu setzen und bei späteren Umtopfaktionen diesen immer weiter heraus zu nehmen. Jedenfalls nicht alles auf einmal.
Bei auf dem Substrat liegenden Trieben würde ich erst schauen, ob diese Wurzeln bilden, wenn ja, diese dann da liegen lassen. Bei den kürzeren Trieben, welche noch nicht das Substrat erreicht haben bzw. wenn sich keine Wurzeln an den Trieben bilden, da dann einen flachen Stein oder ähnliches unterschieben, damit der Trieb höher kommt und über den Topfrand wachsen kann.

LG
Frauke

4

Sonntag, 24. Februar 2019, 23:35

Bei einem schlanken Rübenwurzlertopf müssten sich die Triebe doch auch händisch an der Topfwand vorbei nach außen befördern lassen. Oder stell ich mir das grad zu einfach vor?
"Man vermeide, wenn man sich schon mit Kakteen befassen will, jede Art von Humor und Toleranz." - Glossen-Autor aculeatus in der Stachelpost 1969


5

Montag, 25. Februar 2019, 12:07

Ach, das ist die Euphorbia mit dem unaussprechlichen Namen …!

Soweit ich weiß, sind davon zwei unterschiedliche Wuchsformen im Umlauf. Eine mit stehenden "Ästen" und eine Trauerweidenvariante, die du offensichtlich hast. Mir gefällt diese Euphorbia auch sehr, liebäugle auch damit, doch ich weiß, dass sie meine Kultur im GWH nicht vertragen würde.
Nichtsdestotrotz glaube ich nicht, dass die Äste am Boden festwurzeln würden. Oder tun sie das bei dir? Sie stecken vermutlich nur den Kopf in den Sand.

Auf Bildern sieht man sie eigentlich immer mit sichtbarem Caudex. Deshalb würde ich deine Variante a) wählen. Also Caudex nach und nach höher setzen, nicht alles auf einmal. Zusätzlich würde ich tatsächlich Fraukes Vorschlag mit dem Steine-unterlegen beachten, doch ich denke, wenn die Triebe lang genug sind, wachsen sie sowieso über den Topfrand. Vermutlich benötigst du einen eher flacheren Topf.

Gutes Gelingen,
Ingrid

6

Dienstag, 26. Februar 2019, 14:26

Ach, das ist die Euphorbia mit dem unaussprechlichen Namen …!

Ihr Name würdigt Alfred Razafindratsira, einen bekannten madegassischen Pflanzensammler und Gärtnereibesitzer. Er starb Februar vergangenen Jahres. ;(
Ingrid, mir war nicht bekannt, dass es eine Trauerweidenvariante dieser Pflanze gibt. Auf euphorbia.de sind zwei Varianten beschrieben, die unterschiedliche Äste und Scheinblüten haben. Meine Pflanze gleicht diesen beiden Varianten nicht. Sie hat bedornte Äste, und sie bildet Cyathien, deren Brakteen rot/gelb gefärbt sind.

Vielen Dank für die hilfreichen Antworten. :) Die Variante b scheidet wohl aus. Ich werde mir nun eine Bonsaischale und einen größeren Rübenwurzlertopf beschaffen, für den Fall der Fälle. Größere Töpfe muss ich für andere umtopfbereite Pflanzen ohnehin bestellen. Ich werde das Umtopfen mit dem Fotoapparat dokumentieren. Hoffentlich sind die Wurzeln der Pflanze intakt, und hoffentlich bleibt sie mir nach der Umtopfaktion in gesundem Zustand erhalten. Das Hochsetzen der Pflanze hat sicherlich einen Einfluß darauf, wie der Caudex der Pflanze in höherem Alter aussieht. Ich möchte, dass er schön aussieht. Wie ich vor kurzem erfuhr, soll die Pflanze selbstfertil sein. Das werde ich sobald wie möglich verifizieren.

Bei einem schlanken Rübenwurzlertopf müssten sich die Triebe doch auch händisch an der Topfwand vorbei nach außen befördern lassen.
Beim Eintopfen ja, doch später nicht, da die Triebe meiner Pflanze leider nicht biegsam sind.Für den tollen Tip, Steine zu verwenden, bin ich Dir sehr dankbar, Frauke. :thumbup:

Gruß,
Norbert

7

Mittwoch, 27. Februar 2019, 16:10

Ihr Name würdigt Alfred Razafindratsira

Schon klar, das macht die Aussprache aber nicht besser … 8)

Norbert, mir Euphorbien kenne ich mich nicht so extrem gut aus, dass ich hier die exakten Merkmale und Unterschiede benennen könnte. Ich weiß auch nicht mehr, wo ich das gelesen habe, aber ich weiß, dass ich es gelesen habe, nachdem ich vor vielen Jahren im Bot. Garten Berlin auf einer Ausstellung diese Euphorbia gesehen habe. Vielleicht ist diese Art auch einfach sehr variabel?

Bin gespannt, wie sich deine Pflanze entwickelt!

8

Mittwoch, 13. März 2019, 19:05

Vielleicht ist diese Art auch einfach sehr variabel?

Du triffst den Nagel auf den Kopf. Auf Madagaskar werden immer wieder neue Euphorbien entdeckt, u.a. einige Varianten bereits beschriebener Arten und Naturhybride. Manche Pflanzen produzieren an anderen Standorten abweichend gefärbte Blüten oder entwickeln dort einen anderen Habitus. Diese neuen Euphorbien werden mit den erstentdeckten Pflanzen verglichen, welche jedoch nicht unbedingt als "Artprototyp" anzusehen sind. Besonders aussagekräftig wäre meiner Meinung nach eine Fundortangabe. Doch leider werden die Fundorte oder die Herkunft madegassischer Pflanzen selten dem interessierten Pfleger kundgetan.

Das Umtopfen meiner E. razafindratsirae war unproblematisch. Die Pflanze setzte ich etwas höher. Unter einen Trieb schob ich einen Stein. Für einen Rübenwurzlertopf ist die Wurzel der Pflanze zu kurz, für einen Bonsaitopf zu lang. Die Triebe der Pflanze, welche sich ins Substrat bohrten, bildeten dort keine Wurzeln aus. Sie verödeten (?), und bildeten an ihren Enden kleine Seitentriebe. Die Pflanze selbst scheint gut in Schuss zu sein. Kleine Knospen kommen an ihren Triebenden zum Vorschein.
Von der wurzelnackten Pflanze macht ich mehrere Aufnahmen, wie immer auf einem weißen Blatt Papier und mit Blitzlicht. So werden die Details meiner Meinung nach gut sichtbar.



Die nah verwandte und etwa gleichalte Euphorbia hofstaetteri, die ich kurz darauf umtopfte, präsentierte eine schöne und kompakte Wurzelknolle.



Nach dem Eintopfen von Euphorbia razafindratsirae entstanden diese Bilder:



Auf dem letzten Foto sieht es so aus, als ob sich an zwei Triebenden kleine Stiefelchen befinden. :D

Ich bedanke mich noch einmal bei allen Ratgebern für die tolle Hilfe, :thumbup:
und sende Grüße aus der Hauptstadt,
Norbert

9

Mittwoch, 13. März 2019, 20:07

Oh ja, die Details kommen hervorragend zur Geltung! :thumbup: Aber in dem Fall sieht mir das nicht sonderlich nach einem Caudex aus. Als Caudex verstehe ich eher eine verholzende Speicherknolle. Hier würde ich das imposante Stück als Wurzelrübe ansprechen (welche natürlich auch als Speicherorgan dient). Letztendlich könnte man sonst auch etliche Kakteen als Caudex-Pflanzen ansprechen.
Gut sieht die E. razafindratsirae aber allemal aus! :thumbup:

Tja, und manchmal ist es halt leider besser, wenn man den Fundort nicht zu genau verrät. Aber zumindest halbwegs brauchbare Angaben sollte man schon liefern. Letztendlich ist es ja beispielsweise auch wichtig zu wissen, wie groß das Verbreitungsgebiet ist.
"Man vermeide, wenn man sich schon mit Kakteen befassen will, jede Art von Humor und Toleranz." - Glossen-Autor aculeatus in der Stachelpost 1969


10

Donnerstag, 14. März 2019, 12:41

Danke für das Kompliment, Matthias! :)

Aber in dem Fall sieht mir das nicht sonderlich nach einem Caudex aus. Als Caudex verstehe ich eher eine verholzende Speicherknolle.

Ich gebe Dir Recht. ;)
Dein Einwand berührt das Problem der Definition des Begriffs Caudex. Leider ist der Terminus "Caudex" nicht klar und eindeutig definiert.

In meinem letzten Beitrag verwendete ich übrigens den Begriff "Caudex" nicht, eben weil ich die Wurzel der Pflanze nicht mit meiner Vorstellung von "Caudex" in Einklang bringen konnte.
Als ich den ersten und sechsten Beitrag dieses Threads schrieb, wusste ich nicht, wie die Wurzel der Pflanze gegenwärtig aussieht. Deshalb übernahm ich dort den Begriff von Frank Vincentz, der auf euphorbia.de Euphorbia razafindratsirae als Caudexpflanze beschreibt. (Buddensieck verwendet in der englischsprachigen Beschreibung der Pflanze den Ausdruck "napiform root".)
Meine Pflanze ist erst knapp 8 Jahre alt und noch recht klein. Ich weiß nicht, welche Form die Wurzelknolle in Zukunft annehmen wird. Vielleicht entwickelt sie in ein paar Jahren etwas, was die Bezeichnung Caudex verdient. :pinch:

Tja, und manchmal ist es halt leider besser, wenn man den Fundort nicht zu genau verrät. Aber zumindest halbwegs brauchbare Angaben sollte man schon liefern.

Das sehe ich auch so. Der Plünderung der Natur auf Madagaskar muss Einhalt geboten werden. GPS Koordinaten sollten meiner Meinung nach (weitestgehend) nicht veröffentlicht werden.
Was mich interessiert, sind grobe Ortsangaben (Fundareal). Zudem interessiert mich: wurden die Pflanzen außerhalb von Madagaskar künstlich vermehrt, oder sind sie Exporte von der Insel.

Gruß,
Norbert

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Donnerstag, 14. März 2019, 13:19

Zudem interessiert mich: wurden die Pflanzen außerhalb von Madagaskar künstlich vermehrt, oder sind sie Exporte von der Insel.
Ein Händler, der nichts anbrennen lässt, sollte ja auch mit der Veröffentlichung dieser Information kein Problem haben...
GPS-Daten sollten wirklich nie öffentlich verfügbar werden! Aber sowas wie NW oder SW ist definitiv zu vage. Neben der groben Ortsangabe wären für Sammler auch Fakten wie "im lichten, immergrünen Wald", "auf sehr humosen Böden", oder "vollsonnig in Felsspalten" etc. sehr hilfreich. Damit sollte ja wirklich nicht zuviel verraten sein.

Und stimmt - der Begriff "Caudex" ist nicht eindeutig definiert. Insofern ist meine persönliche Definition mit "verholzendes Speicherorgan" auch nur rein persönlich. Andere definieren vielleicht auch eine Speicherrübe als Caudex. Da wir zwei mit unserer persönlichen Definition aber übereinstimmen, sollte diese zumindest auch vertretbar sein. ;)
Ja, und wer weiß, was sich da noch so alles bei deiner Euphorbia razafindratsirae entwickeln mag!

Bei der Gelegenheit: Ein Hoch auf den Erfinder von Copy+Paste! razafindratsirae... Tippen möchte ich das nicht!
"Man vermeide, wenn man sich schon mit Kakteen befassen will, jede Art von Humor und Toleranz." - Glossen-Autor aculeatus in der Stachelpost 1969


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