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Sonntag, 14. Mai 2017, 13:44

Vortragszitate aus der letzten Ausgabe der Blätter der AG Gymnocalycium Österreich

In der neuesten Ausgabe ( 30 Ausgabe 2 Mai 2017) der Blätter der AG Gymnocalycium wird ein aufschlußreicher Artikel eines Vortrages von Dr. Heino Friedrich aus Natters/Tirol ( leider +1987) veröffentlicht, den er 1969 (!) beim IOS Kongreß in Lüttich gehalten hat mit einer Überarbeitung auf neuesten Stand durch Ing. Ernst Zecher, Wien;

Leider ist dabei nicht gekennzeichnet, welche Textpassagen original von Dr. Heino Friedrich sind und welche einer Überarbeitung unterzogen wurden;
Es geht hauptsächlich um die "Unsicherheit im Bereich der Kakteennamen, was in der jetzigen Zeit durch die vielen Neubeschreibungen und Umkombinationen wieder aktuelle geworden ist";
die Ursachen dafür liegen nach Ansicht des Autors an der „Leichtfertigkeit und Regelwidrigkeit bei der Aufstellung von Kakteennamen, die den Autoren keine Ehre und der Kakteenkunde mehr Schaden als Nutzen brachten“.
Aufgrund der Mitarbeit von botanisch nicht vorgebildeten Kakteenfreunden, sei es „als Mitarbeiter und Helfer, sei es als Störfaktor“ sollte man neben der „Förderung unseres Faches auch die negativen Wirkungen durch Dilletantismus und Kommerzialismus in Betracht ziehen“ (Zitat nur umformuliert)
So gilt „doch heute schon die Sukkulentenkunde bei manchen Wissenschaftlern als eine Art Bastard zwischen Botanik und Liebhaberei“.
„Eine modern fundierte taxonomisch-systematische Methodik entzieht sich immer mehr der Vorbildung, vor allem den apparativen und finanziellen Möglichkeiten des Amateurcactologen“.
„Dr. Franz Buxbaum (Judenburg Österreich)hat bereits darauf hingewiesen, daß die vielfach praktizierten Artbeschreibungen ohne Präpariergerät und Mikroskop, ohne Blütenschnitte, Frucht- und Samenuntersuchungen usw. völlig ungenügend sind.“
Neubeschreibungen liegt ja immer nur eine Einzelpflanze zugrunde und dabei wird ja der sog. Formenschwarm eines Standortes nicht mit einbezogen, evtl. noch mit Klammerangaben über abweichende Dornenanzahl oder Blütengrößendifferenzen.

„Es wurde auch schon oft darauf hingewiesen, daß das kommerzielle Interesse mancher Feldsammler und ihrer Auftraggeber dahin gerichtet ist, möglichst viele gut unterschiedliche neue Arten zu liefern und daß darum absichtlich extreme Formen unter Auslassung der überleitenden Populationsanteile aufgesammelt und bekannt gemacht werden. Ich möchte diese Praxis von Leuten, die damit ihr Brot verdienen ( man müßte hier heute sagen verdienten, meine Anmerkung) weniger kritisieren, alos das Verhalten der „wissenschaftlichen“ Bearbeiter solchen Materials, die trotz dieser ihnen bekannten Tendenzen bedenkenlos damit „Arten produzieren“.
„Bei den Cactaceen ist der nachprüfbare Holotypus die große Ausnahme geblieben“.
meine Meinung dazu: das ist eigentlich in den letzten bestimmt 20 oder sogar mehr Jahren eigentlich nicht mehr vorgekommen..
Schade, daß bei diesem Artikel nicht zwischen den Aussagen von Dr. Heino Friedrich und dem Überarbeiter Ing. Ernst Zecha unterschieden wurde, da ja viele der Aussagen des Autors des Vortrages von 1969 sicher inzwischen überholt sind;
Wenn allerdings z.B. die Extremform des G.pugionacanthum von Fechser aus einer Importsendung für die Erstbeschreibung herhalten mußte und erst nach langen Jahren der Feldforschung diese Form als ganz extreme Form des Bereichs zwischen Belen und Andalgala verifiziert werden konnte, muß ich dem Autor durchaus Recht geben mit seiner Ansicht über den Kommerzialismus, der zu dieser Zeit praktiziert wurde.
Auch die Neubeschreibung und Umkombinierung im Bereich des G. bruchii, wo nahezu in Sichtweise einzelner Populationen daraus neue Varietäten beschrieben wurden, stimmt mit den Ansichten von damals durchaus überein.
Interessant für mich ist dabei auch die Tatsache, daß dieser Vortrag durch einen Österreicher 1969 gehalten und durch einen Österreicher überarbeitet wurde, die Mehrzahl der inzwischen aber geschaffenen Neubeschreibungen und Umkombinierungen im Bereich GYmnocalyciumauch wiederum aus österreichischer Feder stammen
( Originalzitate aus dem AGG Artikel stehen jeweils in Anführungszeichen; Textabschnitte ohne diese stellen meine Meinung dar)

mit stacheligen Grüßen zum Nachdenken anregend
Gymnofan

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Sonntag, 14. Mai 2017, 18:04

Das Nachdenken lohnt sich wirklich - aber eben, zum Glück ist es in den letzten 20 Jahren deutlich besser geworden.
Wenn jetzt diese österreichischen Fachleute in Zukunft auch aufhören (vermeintliche?) Neufunde nach dem Dackel ihres Postboten zu benennen, dann gibt´s wirklich viel Licht am Ende des Tunnels. ;)

Besten Dank für den absolut lesens- und nachdenkenswerten Beitrag! :thumbup:
"Man vermeide, wenn man sich schon mit Kakteen befassen will, jede Art von Humor und Toleranz." - Glossen-Autor aculeatus in der Stachelpost 1969

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Sonntag, 14. Mai 2017, 18:57

HAllo Shamrock
na ja, die Hundebenennung war eine tschechische Erstbeschreibung nach dem Hund des Autors;
wenn man sich allerdings die sehr ausführliche Behandlung des G. bruchii Komplexes in Schütziana 3-12-2 und 4-13-1 zu Gemüte führt, sind da schon einige Beschreibungen gemacht worden, auf die die erwähnten Vorwürfe schon zutreffen
VG
Gymnofan

4

Sonntag, 14. Mai 2017, 19:42

Stimmt, aber der Hund kam bestimmt aus einem österreichischen Tierheim... :whistling:
"Man vermeide, wenn man sich schon mit Kakteen befassen will, jede Art von Humor und Toleranz." - Glossen-Autor aculeatus in der Stachelpost 1969

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